Fachkräftemangel in Kitas: Zahlen, Ursachen und wie der Quereinstieg hilft
Kurz gesagt: Der Fachkräftemangel in Kitas ist messbar groß. Nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung fehlten 2023 bundesweit rund 98.600 Erzieherinnen und Erzieher, allein in Nordrhein-Westfalen mehr als 65.000 Fachkräfte. Qualifizierte Quereinsteigende sind einer der wenigen Hebel, die kurzfristig wirken.
In vielen Regionen bleiben Stellen in Kitas lange unbesetzt. Teams arbeiten am Limit, Gruppen werden zusammengelegt, Öffnungszeiten geraten unter Druck. Reine Stellenausschreibungen reichen längst nicht mehr, weil zu wenige ausgebildete Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind. Ein Blick auf die belastbaren Zahlen zeigt, wie ernst die Lage ist und wo Lösungen liegen.
Wie groß ist die Lücke wirklich?
Die frühkindliche Bildung leidet an zwei Engpässen zugleich: fehlenden Plätzen und fehlendem Personal. Nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung fehlten 2023 bundesweit rund 384.000 Kitaplätze und etwa 98.600 Erzieherinnen und Erzieher. In Nordrhein-Westfalen war die Personallücke mit mehr als 65.000 Fachkräften bundesweit am größten. Die Stiftung rechnet damit, dass der Bedarf weiter steigt: Bis 2030 könnten rund 230.000 Fachkräfte fehlen.
Verschärft wird die Lage durch den demografischen Wandel. Ein großer Teil der heute Beschäftigten geht in den kommenden Jahren in den Ruhestand, während gleichzeitig ab August 2026 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder greift und zusätzlichen Personalbedarf erzeugt.
Auch die Qualität gerät unter Druck
Der Mangel schlägt nicht nur auf die Menge, sondern auf die Qualität durch. Ein Report der Bertelsmann Stiftung vom Herbst 2025 kam zu dem Ergebnis, dass nur etwa jede dritte Kita in Deutschland über genügend Fachpersonal verfügt. Der Anteil der Beschäftigten mit einem fachlich einschlägigen Abschluss lag im Bundesschnitt bei rund 72 Prozent, mit großen Unterschieden zwischen den Ländern: Thüringen erreichte den höchsten Wert, Bayern und Hamburg lagen deutlich darunter.
Das ist relevant, weil der Zusammenhang zwischen Fachkraftquote und Betreuungsqualität wissenschaftlich gut belegt ist. Wer den Mangel bekämpft, muss deshalb beides im Blick behalten: genügend Personal und die nötige pädagogische Qualifikation.
Erzieher bleibt ein Engpassberuf
Dass der Bedarf real ist, bestätigt auch die Bundesagentur für Arbeit. In ihrer jährlichen Fachkräfteengpassanalyse zählen Erzieherinnen und Erzieher weiter zu den Berufen, die händeringend gesucht werden. Das Deutsche Jugendinstitut verweist auf das ungünstige Verhältnis von Angebot und Nachfrage: So kamen bereits 2022 auf rund 8.000 arbeitslos gemeldete Erzieherinnen und Erzieher etwa 13.000 gemeldete offene Stellen. Rechnerisch stehen also weit mehr Stellen zur Verfügung, als Bewerberinnen und Bewerber vorhanden sind.
Warum der Quereinstieg wirkt
Es gibt viele Menschen mit einem passenden Hintergrund, die bisher nicht in der Kita arbeiten: Absolventinnen pädagogischer Studiengänge, Fachkräfte aus therapeutischen Berufen, Menschen mit einer angefangenen Erzieherausbildung. Ihnen fehlt oft nur ein formaler Schritt zur anerkannten Tätigkeit. Genau hier setzt die 160-Stunden-Qualifizierung an.
Die Qualifizierung wird nach der Personalverordnung NRW anerkannt. Je nach Vorbildung ist ein Einsatz als Fachkraft oder als Ergänzungskraft möglich, mit tariflicher Vergütung. So werden Menschen produktiv, die dem Kita-System sonst nicht zur Verfügung stünden. Welche Wege sich für wen eröffnen, zeigt unser Beitrag zum Quereinstieg in die Kita in NRW.
Was Träger konkret tun können
- Geeignete Personen einstellen und parallel qualifizieren. Der Einsatz ist bereits während der Qualifizierung möglich, wenn diese spätestens sechs Monate nach Tätigkeitsantritt beginnt und spätestens 24 Monate danach abgeschlossen wird.
- Auf ein berufsbegleitendes Format setzen. Live-Online-Seminare mit Selbstlernphasen lassen sich neben der Arbeit bewältigen und sparen Anfahrten.
- Mehrere Mitarbeitende gebündelt anmelden. Das spart Aufwand und über den Träger-Rabatt auch Kosten.
Ehrlich bleiben: Quereinstieg ist Ergänzung, kein Ersatz
Der Quereinstieg löst den Fachkräftemangel nicht allein und ersetzt keine grundständige Ausbildung. Er ergänzt das Team um Menschen mit wertvoller Vorbildung und verschafft Einrichtungen Luft. Damit die Qualität stimmt, braucht es eine seriöse Qualifizierung, eine gute Einarbeitung und ausgewogene Teams. Genau darauf ist die 160-Stunden-Qualifizierung ausgelegt.
Häufige Fragen
Wie viele Erzieherinnen und Erzieher fehlen?
Nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung fehlten 2023 bundesweit rund 98.600 Fachkräfte, in NRW mehr als 65.000. Bis 2030 könnte die Lücke auf rund 230.000 anwachsen.
Können Quereinsteiger den Mangel wirklich lindern?
Ja, mit passender Vorbildung und der 160-Stunden-Qualifizierung werden sie als Fach- oder Ergänzungskraft einsetzbar und entlasten das Team, solange die pädagogische Qualität gewahrt bleibt.
- Bertelsmann Stiftung, Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme, laendermonitor.de (Report 2025)
- Bertelsmann Stiftung, Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule, dargestellt beim Deutschen Bildungsserver
- Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2024 (Mai 2025)
- Deutsches Jugendinstitut, Kinder- und Jugendhilfereport 2024
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