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FachbeiträgeFachkräftemangel

Personalmangel in der Jugendhilfe: Zahlen, Ursachen und Auswege

Kurz gesagt: Die Kinder- und Jugendhilfe wächst und braucht immer mehr Fachkräfte. Über 1,1 Millionen Menschen arbeiten in diesem Feld, und sowohl Erzieherinnen und Erzieher als auch Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen gelten als Engpassberufe. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Hilfen auf immer neue Höchststände.

Von der educaris Redaktion·15. Juli 2026·Lesezeit etwa 8 Minuten
Bild: Beratungssituation Jugendhilfe

Der Fachkräftemangel ist nicht auf die Kita beschränkt. In der gesamten Kinder- und Jugendhilfe, also in Hilfen zur Erziehung, Jugendämtern, Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit, treffen wachsende Aufgaben auf zu wenig Personal. Die amtlichen Zahlen zeichnen ein klares Bild.

Ein wachsendes Feld mit über 1,1 Millionen Beschäftigten

Nach Angaben des Deutschen Jugendinstituts arbeiten in den Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe inzwischen über 1,1 Millionen Menschen. Die öffentlichen Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe sind laut Statistischem Bundesamt 2024 auf rund 78,8 Milliarden Euro gestiegen, ein Plus von 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Feld wächst also, und mit ihm der Personalbedarf.

Die Nachfrage erreicht neue Höchststände

Wie stark der Bedarf ist, zeigt die Statistik der Hilfen zur Erziehung. 2024 nahmen laut Statistischem Bundesamt rund 1,26 Millionen junge Menschen unter 27 Jahren eine Hilfe zur Erziehung oder eine Hilfe für junge Volljährige in Anspruch. Das sind knapp vier Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Höchststand. Bis zu acht Prozent aller Minderjährigen in Deutschland waren damit auf eine solche Hilfe angewiesen. Hinzu kamen rund 174.000 Eingliederungshilfen wegen einer drohenden oder bestehenden seelischen Behinderung.

Die Jugendhilfe in Zahlen (2024)
1,1 Mio
Beschäftigte in der Kinder- und Jugendhilfe
1,26 Mio
junge Menschen mit Hilfe zur Erziehung, Höchststand
78,8 Mrd €
öffentliche Ausgaben, plus 9,5 Prozent
Quellen: Statistisches Bundesamt und akjstat, Monitor Hilfen zur Erziehung.

Sozialpädagogik ist zum Engpassberuf geworden

Die Bundesagentur für Arbeit bewertet jedes Jahr rund 1.200 Berufe daraufhin, wie schwer offene Stellen zu besetzen sind. In ihrer Analyse für 2024 sind Berufe der Sozialarbeit und Sozialpädagogik neu unter die Engpassberufe gerückt. Erzieherinnen und Erzieher werden dort ebenfalls als händeringend gesucht geführt. Das Deutsche Jugendinstitut spricht mit Blick auf die Kinder- und Jugendhilfe von einer der großen Herausforderungen der kommenden Jahre: einem Mangel an Fachkräften.

Warum der Druck weiter steigt

  • Die Zahl der festgestellten Kindeswohlgefährdungen erreichte 2024 mit rund 72.800 Fällen einen neuen Höchststand. Mehr Fälle bedeuten mehr Bedarf an qualifizierten Fachkräften, die einschätzen und beraten können.
  • Ein großer Teil der erfahrenen Fachkräfte nähert sich dem Ruhestand, während zu wenige nachrücken.
  • Aufgaben werden komplexer. Themen wie psychische Belastung, Kinderschutz und Inklusion verlangen zusätzliche Qualifikation.

Wege aus dem Mangel

Kurzfristig hilft, vorhandenes Personal gezielt weiterzuqualifizieren und Menschen mit passender Vorbildung den Einstieg zu erleichtern. Für die Kita in NRW ist die 160-Stunden-Qualifizierung der anerkannte Weg. Für den Kinderschutz in der gesamten Jugendhilfe gibt es die Zusatzqualifikation zur insoweit erfahrenen Fachkraft, die Teams Sicherheit bei der Gefährdungseinschätzung gibt. Beide Formate finden live online statt und lassen sich berufsbegleitend absolvieren.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen arbeiten in der Kinder- und Jugendhilfe?
Nach Angaben des Deutschen Jugendinstituts über 1,1 Millionen. Erzieher- und Sozialpädagogikberufe gelten als Engpassberufe.

Steigt der Bedarf?
Ja. 2024 nahmen rund 1,26 Millionen junge Menschen eine erzieherische Hilfe in Anspruch, ein Höchststand. Die öffentlichen Ausgaben stiegen auf 78,8 Milliarden Euro.

Quellen

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